Walther Schmid - Dezember 2018

Werter Herr Dr. Reck,

aus dem Impressum von BLIX konnte ich Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse entnehmen. Ich war als 80jähriger Pensionär aus Wangen i. A. meiner Gesundheit zu Liebe dieser Tage im schönen Jordanbad in Biberach/Riß und nahm die dort aufliegende November-Ausgabe Ihres Magazins BLIX mit nach Hause. Beim Durchblättern las ich die fette Überschrift „Morden zum Zeitvertreib“ und mein Blick fiel sofort auf die zwei Fotos mit den darunter stehenden Namen „Julius Viel...“ und Anton Blaser....“ Während mir, der ich ja in Wangen wohne, die Geschichte von Viel bekannt war, interessierte mich vor allem die Geschichte des „Mörders“ Blaser. Ich stellte beim interessierten Lesen fest, das Blaser kein Mörder war, sondern als Bürgermeister in der Hitlerzeit mit dem „braunen Sumpf“, wie Sie es beschrieben, verbunden war. Also keine Person, dem ein Mord nachgewiesen werden konnte. Dieses „Morden zum Zeitvertreib“ traf also für Blaser nicht zu. Deshalb sei mir erlaubt, diese Art des Blickfangs für das Foto von Blaser als schlechten journalistischen Stil zu bezeichnen, für den Sie als Verfasser des Artikels verantwortlich sind und mit dem Sie in Kauf genommen haben, Gefühle von Nachkommen dieses ehemaligen Bürgermeisters zu verletzen. Wäre ich Kind des ehemaligen Bürgermeisters Blaser, ich hätte schlaflose Nächte darüber, unter welcher Überschrift das Bild meines Vaters erscheint, mehr als 70 Jahre nach dem Ende der Nazizeit und des Krieges. Warum schreibe ich dies? Weil auch mein Vater im Dritten Reich Bürgermeister war, nicht gewählt, sondern eingesetzt 1936 in Eglofs, damals Landkreis Wangen. Natürlich NSDAP-Mitglied, ab 1942 in Krieg und Gefangenschaft, Weihnachten 1947 entlassen und entnazifiziert.

Mit freundlichem Gruß
Walther Schmid, Wangen