Eva-Maria Weiß - August 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der aktuellen Ausgabe des Blix-Magazins, haben Sie den Artikel "Flüchtlinge notwenig" veröffentlicht. Die Tatsache, dass und die Art, wie Sie das getan haben, hat mir sehr gefallen. Aufgrund der allgemeinen Berichterstattung zu diesem Thema, sind positive und realistische Darstellungen der Situation im Land (und vorallem im Ländle) sehr wichtig.

Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, diese eMail zu verfassen. Haddy Gomez ist mir persönlich bekannt. Mir geht es bei den folgenden Sätzen in keinster Weise darum, sie persönlich oder die Bäckerei Bold als ihren Arbeitgeber zu treffen, aber darum, Sie als Journalisten für die Komplexität der Situation zu sensibilisieren:

Als Hauptfigur für einen Bericht zum Thema Flüchtlinge und Integration eine Person zu wählen, die schon lange in Deutschland lebt und hier zur Schule ging, die die deutsche Sprache als Kind/Jugendliche im regulären Unterricht erlernen durfte und hier sozialisiert ist, halte ich persönlich für schwierig. Frau Gomez ist durchaus ein Beispiel für gelungene Integration und Emanzipation. Aber im Kontext mit der aktuellen Flüchtlingssituation ist ihr Status ein anderer.

Auch wenn der Artikel sie mit keinem Wort als "Flüchtling" tituliert, erweckt es beim Leser genau diesen Eindruck. Das ist gleich doppelt ungerecht. Zum einen gegenüber ihr, zum anderen aber vor allem den Flüchtlingen, die in den vergangenen drei bis vier Jahren in Deutschland ankamen und sich unter gänzlich anderen Voraussetzungen ein- und zurecht finden und beweisen müssen.

Die Bäckerei Bold hat ein tolles Fotoshooting veranstaltet, mit allen ihren Mitarbeitern (damals auf Instagram zu sehen gewesen), auch mit den Bäckerlehrlingen/Backhelfern die in den vergangenen Jahren nach Deutschland kamen. Man sollte also meinen, es gäbe geeignetes Bildmaterial für solch einen Artikel.

Gerade Sie als Journalisten erreichen mit ihren Worten so viele Menschen und können so viel bewegen. Ich würde mir für die Zukunft sehr wünschen, dass solch ein Thema so aufgearbeitet wird, dass es allen gerecht wird. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, diese eMail zu lesen.

Mit freundlichen Grüßen,

Eva-Maria Weiß