Peter Michel - Juni 2016

Sehr geehrter Herr Dr. Reck,
ab und zu steht mir der Sinn nach Feingebäck. Dann fahre ich zum Café Schimpf in die Ravensburger Weststadt und lasse mir ein oder zwei der cholesterinfördernden Sahnestücke einpacken. Im vergangenen Monat fiel mir dabei erstmals eines der dort ausliegenden BLIX-Hefte in die Hände, das ich dann zu Hause mit zunehmendem Interesse durchlas.


Auf den ersten Blick, beim lockeren Durchblättern des Magazins und angesichts der vielen ins Auge fallenden Werbeanzeigen, hatte ich gar nicht vermutet, welch gut geschriebene, sehr informative und auch stilistisch pointierte Beiträge da zu finden sind, die sich wohltuend von vielen eher substanzlosen Artikelchen in der herkömmlichen Tagespresse abheben. Was mir auch gefällt, ist die leichte Ironie, die die eher politisch orientierten Texte durchzieht, etwa Ihren über den „Steineroller“, oder den von Rudi Schönfeld („Es ist niemand nachgewachsen“).
Es ist, glaube ich, nicht mehr allzu häufig anzutreffen, dass sich die gebotene journalistische Distanz mit punktuellen Positionierungen verknüpft, ohne dass die Objektivität und die Souveränität des Verfassers geopfert werden. Meist, gerade in der hier dominierenden Presse, stößt man auf einen vordergründigen, etwas schimmeligen Objektivismus, der sich unabhängig gibt, aber relativ ungeniert einseitig Partei ergreift. Als in der DDR Aufgewachsener weiß ich, was Indoktrinierung bedeutet; das Neue Deutschland gab sich nie viel Mühe, diese zu camouflieren. Hierzulande verläuft sie „subkutan“, geschickter, sensibler und deshalb – das ist meine subjektive Meinung – umso manipulativer. Natürlich bin ich weit davon entfernt, unsere Medienlandschaft mit der Agitprop-Maschinerie im einstigen „Sozialismus“ oder, mit Blick auf die Gegenwart, mit türkischen Verhältnissen zu vergleichen. Doch der medienpolitische Mainstream ist auch bei uns, glaube ich, längst voll im Gange. Es ließe sich noch viel darüber sagen…

Mit freundlichen Grüßen
Peter Michel, Ravensburg