Wolf-Ulrich Strittmatter - Juni 2015

Zur Mai-Ausbabe: Der Bauernkrieg; Interview mit Elmar L. Kuhn (S. 78)

Sehr geehrter Herr Dr. Reck,
der Schluss von Elmar L. Kuhns Interview hat mich doch sehr irritiert: „Es gibt aber viele weitere Themen und Zeiträume,

die für Oberschwaben noch unzureichend bearbeitet sind. Dazu zählt auch die Geschichte der NS-Zeit in Oberschwaben, mit Ausnahme einiger Stadtgeschichten."
Das, nachdem gerade in der Reihe „Täter Helfer Trittbrettfahrer" der 4. Band „NS-Belastete aus Oberschwaben", 300 Seiten stark, erschienen ist? Zumindest haben Sie freundlicherweise im April-Heft über die Buchvorstellung in Biberach berichtet, allerdings ist dabei meiner Meinung nach leider die personelle und lokale Breite der Täterbiographien nicht deutlich geworden. Ich vermute, dass Ihnen der Herausgeber Herr Proske ein (kostenloses) Rezensionsexemplar des Bandes gegeben hat. Dann können Sie sehen, dass ich z.B. allein sechs Beiträge recherchiert und verfasst und damit ca. ein Drittel des Bandes zu verantworten habe. Wenn man bedenkt, dass mich diese Forschungsarbeiten fast zwei Jahre gekostet haben, dass ich insgesamt mehrere Wochen unterwegs war, um in Archiven in Sigmaringen, Stuttgart, Ludwigsburg, Freiburg, München, Berlin und sogar in den polnischen Staatsarchiven Posen, Lodz und Kutno zu recherchieren, dann schmerzt mich dieses so beiläufig geäußerte Urteil über die bisherige „unzureichende" Aufarbeitung der NS-Zeit in der Region doch sehr. Nun könnte man argumentieren, dass Quantität noch nicht unbedingt für Qualität bürgt. Doch aufgrund zahlreicher Rückmeldungen, auch durch anerkannte Regionalhistoriker, kann ich durchaus auch mit der Qualität der Artikel punkten. Dies gilt auch für meine bisherigen Publikationen zum Thema NS-Zeit in der Region. Sie können sich auf der Homepage unseres Projektes www.ns-belastete.de im Autorenverzeichnis (mit kurzen Literaturangaben) davon überzeugen.
Auch unter www.landeskunde-baden-wuerttemberg.de/6359.html finden Sie eine ausführliche Besprechung der Stadtgeschichte „Ravensburg im Dritten Reich", an der ich ebenfalls mitgearbeitet habe.
Wenn man gründlich recherchiert, findet sich inzwischen eine Fülle von regionalgeschichtlichen Forschungsarbeiten fleißiger, kompetenter Autorinnen und Autoren (z.B. Frau Locher zu Wangen im „Dritten Reich", Herr Weber zu Opfern des NS-Unrechts, um nur zwei zu nennen).Vielleicht können Sie diesem offensichtlich nicht enden wollenden Thema in einem späteren Heft erneut Ihre journalistische Aufmerksamkeit widmen?

Mit freundlichen Grüßen
Wolf-Ulrich Strittmatter