Rainer Hoffmann Juni 2014

zum Ernst-Jünger-Artikel "Er tat noch drei Schritte", BLIX Mai 2014


Sehr geehrter Herr Reck,
an Ihren Feststellungen über Jünger gibt es nichts zu kritisieren. Leider muss auch ich feststellen,

dass es sich bei Jünger um einen Menschen handelt, dem anscheinend das Menschliche abhanden gekommen ist . Bei meinen diversen Ausflügen in seine Tagebücher entdecke ich grundsätzlich einen kühlen, berechnenden und genau beobachtenden Erzähler. Dabei sind Jüngers exakte Beobachtungen immer wieder lesenswert. Zwischenmenschliches findet sich selten in seinen Schriften. Auffallend: Obwohl Jünger jahrzehntelang in Wilflingen lebte, findet sich in seinen Tagebüchern fast nichts über die Menschen dort. Distanziertheit scheint ein Charaktermerkmal von Jünger gewesen zu sein.
Zu Ihrer Frage: Vorbild – ja oder nein, muss ich Ihnen recht geben: Vergesst Ernst Jünger – als Vorbild! Als – menschliches – Vorbild eignet sich Jünger wahrlich nicht. Seine Qualitäten liegen vor allem in seiner Beobachtungsgabe der Natur.

Herzliche Grüße
Rainer Hoffmann, Sigmaringendorf