Roger Klaus Dezember 2008

„Angst ist ein großes Thema" lautete der Aufmacher beim „Schulreport" (BLIX 11/08). Darin äußerte sich die neue Rektorin der Pädagogischen Hochschule Weingarten Dr. Margret Ruep zur Schulpolitik und Lehrerausbildung.


Sehr geehrte Frau Dr. Ruep,
(...) auch ich sehe den Beruf des Lehrers und vor allem seine Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen zunehmend kritisch. Hier spreche ich aus eigener Erfahrung, da ich selbst bis zur Zwischenprüfung an der PH Weingarten Lehramt für Grund- und Hauptschule studiert habe, dann das Studium aber beendete, da mir bewusst wurde, dass ich mich diesem System, sowohl dem Ausbildungssystem an der PH, als auch dem Schulsystem bzw. den Bedingungen und dem Klima in der Schule nicht länger ausliefern wollte. Ich wollte auch kein Lehrer werden, wie anscheinend eine größere Zahl der heutigen Kommilitonen, die bei ihrer Berufswahl „Lehrer" nur an den Beamtenstatus und die spätere Pension denken und das Gehalt bald nur noch als „Schmerzensgeld" betrachten müssen, weil sie in der Praxis scheitern bzw. schnell überfordert sind mit allen negativen Folgen für die Schüler mit Unterrichtsausfall, die Belastung der Kranken- und Pensionskassen und natürlich für die Lehrer selbst, deren erhoffter Traumjob oft zum täglichen Horror wird. (...)
Als Inhaber eines Nachhilfestudios in Weingarten kann ich die (...) erwähnte Inkompetenz, Bequemlichkeit, Unengagiertheit und vor allem Kritikempfindlichkeit von Lehrern aus Gesprächen mit Schülern und Eltern bestätigen. In der freien Wirtschaft hätten sie mit dieser oft mangelnden Sozialkompetenz keine Chancen bzw. wären für die gebotene Leistung mit dem Gehalt und den weiteren Annehmlichkeiten die Lehrer genießen, deutlich überbezahlt. (...)
Eben „von der Schule, durch die Schule in die Schule". Diese und andere Verfahrensweisen fördert natürlich nicht das eigenverantwortliche Studieren, sondern produziert zukünftige Lehrer mit den oben beschriebenen weit verbreiteten Defiziten, wie mangelnde Persönlichkeit, Sicherheitsdenken, geringe Kritikfähigkeit, Angst, obrigkeitskonformes Verhalten etc. Und diese Bedingungen führen auch häufig dazu, dass „gestandene", erwachsene Leute, die im Zweitstudium Lehrer oder Lehrerin werden woll(t)en, das Studium wieder abbrechen, da sie so nicht mit sich verfahren lassen und damit dem System potentielle Lehrer mit Charakter und Lebenserfahrung verloren gehen. Und alles bleibt wie es ist.
Auch ich halte unser Schulsystem, aber vor allem die Aus- und Fortbildung der Lehrer für nicht mehr zeitgemäß. Vor allem wird es aber der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, an der Lehrer neben Eltern stark beteiligt sind, nicht mehr gerecht.
Um den Eindruck zu vermeiden, dass ich die genannten Defizite allen Lehrern zuschreibe, weiß ich, dass es Gott sei Dank auch viele engagierte Lehrer gibt, die ihren Beruf mit Herz und Seele ausüben und sich überdurchschnittlich engagieren. Ich bin in der glücklichen Lage mit ein paar von ihnen in meinem Institut zusammenarbeiten zu dürfen.
Ich bin mir durchaus bewusst, dass Sie, werte Frau Dr. Ruep, sich mit Ihrer Einstellung auf einem „Minenfeld" bewegen und dass Sie vermutlich von Weingarten aus nicht die gesamte Landesschulpolitik auf den Kopf stellen können, aber ich würde es sehr begrüßen, nicht für mich persönlich, sondern für die Kinder von heute und damit die tragenden Säulen unserer Gesellschaft von morgen, wenn Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten das eine oder andere hier Diskutierte zum Positiven wenden könnten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Kraft, den für Veränderungen nötigen Mut und ein glückliches Händchen bei Ihren Entscheidungen.

Mit den allerbesten Grüßen
Dipl.-Geogr. Roger Klaus, Weingarten