Gerhard Bauer September 2008

Da hat sich echt einer einen Kopf gemacht und die Analyse „Oberschwaben ist weiter" (BLIX, 08/08, S. 5f.) einer gründlichen Analyse unterzogen. So viel Fleiß gehört belohnt, meint Blixi, deshalb drucken wir den Leserbrief von Gerhard Bauer auch in voller Länge ab. Denn BLIX ist der Unterschied - es wird gelesen!

Das sollte sich so manch' vertrottelter Marketingfuzzi hinter die Ohren schreiben, meint Blixi.


Man kann es schon nicht mehr hören: Der profilierte Wirtschaftsexperte Oswald Metzger und sein steiniger Weg in der CDU. Es gehört weiß Gott nicht viel Fantasie dazu, um zu wissen, dass Oswald Metzger natürlich lieber in die FDP eingetreten wäre, aber um bei der in den Bundestag einzuziehen, braucht man einen guten Listenplatz (wie Weiland bei den Grünen). Den aber hätte jemand räumen müssen...!
Nachdem ihm sein Landtagsmandat in Stuttgart wohl zu provinziell war, blieb ihm zum Wiedereinzug in den Bundestag nur die Chance auf ein Direktmandat in der CDU, wo angeblich jeder schon gewählt ist, wenn er nur schwarz ist. Es hat in Biberach bekanntlich nicht geklappt und selbst das Stimmenergebnis gegen den Sieger Josef Rief wird im BLIX-Bericht zu hoch bewertet. Beim ersten Wahlgang hatte Oswald Metzger sein Potential klar ausgeschöpft und erst die Wanderungsbewegung von Wählern der ausgeschiedenen Kandidaten verschaffte ihm den hauchdünnen Vorsprung von elf Stimmen gegen Peter Diesch, auf den bis dahin Mittelständler und Wirtschaft ihre Hoffnung gesetzt hatten. Erst als der ausgeschieden war, mussten sie sich zwischen Landwirt und „Wirtschaftsprofi" entscheiden, was Metzger seinen Zuwachs im letzten Wahlgang brachte. Mit Peter Diesch in die Stichwahl wäre möglicherweise ein anderes Endergebnis herausgekommen.
Man tritt Oswald Metzger sicher nicht zu nahe, wen man hinterfragt, wo der fachlichen Hintergrund und die Qualifikation in Wirtschaftsfragen herkommen soll, die da vor allem von den Medien so kritiklos unterstellt wird. Zwar sitzt er seit 2005 im Aufsichtsrat des Solarenergie-Unternehmens Conergy AG in Hamburg und ist Mitglied im „Konvent für Deutschland" e.V., zusammen mit teils namhaften Vertretern aus Industrie und Politik, aber das ist außer seiner früheren Funktion als haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen schon die einzig belastbare Schnittstelle. Mehr zumindest gibt sein dokumentierter Lebenslauf dafür nicht her. Es ist schon sehr die Frage, ob ein talentierter Redner und Medienliebling, der es unbestritten versteht, sich selbst und von ihm vertretene Ansichten exzellent zu verkaufen, deshalb schon zum Experten mutiert. Kann, ja darf es reichen, nur mit gut verkaufter wirtschaftsnaher Argumentation im politischen Raum zum Wirtschaftsprofi erklärt zu werden? Lobbyist wäre da schon treffender.
Wenn man den Maßstab ständiger Pressepräsenz und rühriger Öffentlichkeitsarbeit zugrunde legt, dann kann der bisherige Abgeordnete Franz Romer so wenig mit Oswald Metzger mithalten wie viele andere. Was er aber mit intensiver politischer Arbeit in den Ausschüssen für seine Wähler erreichte, das hat nicht zuletzt mitgeholfen, dass aus dem Kreis Biberach bundesweit auch wirtschaftlich ein Vorzeige-Landkreis geworden ist. Politische Entscheidungen fallen nun mal nicht in Talkshows. Die Bürgernähe von Franz Romer ist legendär und es überrascht kaum, dass viele CDU-Wähler sich bei seiner Wahl für ihn als gestandenen Mitbürger und Arbeitnehmer aus ihrer Mitte entschieden hatten. Er kennt das Arbeitsleben sowie die Sorgen und Nöte seiner Mitbürger aus eigenem Erleben, und für viele ist eben dies der Maßstab für die Wahl eines Kandidaten, nicht die Medienpräsenz.
Es ist sicherlich denkbar, dass Oswald Metzger, mit einem Direktmandat aus Oberschwaben im Rücken, sich gerne der nach Friedrich Merz „verwaisten" Funktion des wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU/CSU-Fraktion annehmen würde. Dieser jedoch war (und ist) von Hintergrund und Erfahrung ein ausgewiesener Wirtschaftsexperte, was ein Blick auf seine Vita schon zeigt. Was nun die tumben CDU-Mitglieder im Landkreis angeht, die selbst einen Kohlensack wählen würden, wenn er nur schwarz ist – auch das ist eine Legende, die von der Opposition immer wieder gerne bemüht wird. Vor allem die oberschwäbischen CDU-Mitglieder standen ihren Mandatsträgern schon immer kritisch gegenüber und ihre Unterstützung wollte verdient sein. Es konnte einen durchaus das Mandat kosten, wenn man von den Mitgliedern für zu leicht befunden wurde. So geschehen mit dem früheren Landtagsabgeordneten Gerd Scheffold, der als amtierender Abgeordneter beim Nominierungsparteitag durch den Mitbewerber und Landrat Peter Schneider mit fast zwei Dritteln der Stimmen quasi aus dem Amt gejagt wurde. Und dieser wiederum ist, neben seinem Landtagsmandat inzwischen auch Sparkassenpräsident, zweifellos ein ausgewiesener und profilierter Experte, der Zustimmung sowohl bei den CDU-Mitgliedern wie auch den übrigen Wählern findet – ein feiner Unterschied übrigens, den zuweilen nicht nur der Autor des BLIX-Berichtes aus den Augen verloren hat. Die CDU muss also nicht mehr dazulernen als andere Parteien, aber sie steht selbst im Wandel des Zeitgeistes zu ihren Werten – eben wertkonservativ.

Gerhard M. Bauer, CDU-Kreispressesprecher a. D.
Ochsenhausen