Antje Beducker April 2008

Leserbrief zu: Aufschwung – made in Oberschwaben, März 2008

Der Schwäbische Verlag hat seine Tochter SZA (Anzeigensatz) am Biberacher Marktplatz und in Leutkirch aufgelöst und somit sind 30 Angestellte nun arbeitslos.

Etwa 20 Mitarbeiter sucht der neue Auftragnehmer, kann aber nicht alle aus Biberach und Leutkirch nach besetzen, da es sonst nach einer Übernahme aussähe. „Ach, es sind ja nur 30!", werden manche sagen, denn die Abstumpfung durch schockierende Zahlen aus der ganzen Bundesrepublik wirkt. Aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist und dies geschieht nicht irgendwo, sondern direkt vor unserer Nase, natürlich ohne dass man es aus der hiesigen Zeitung erfahren würde, im Unterschied zu damals: im Fall KaVo-Danaher.
Der Biberacher Geschäftsführer nahm sich wirklich Zeit, mir zu erklären, dass man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe, dass immer mehr Leser ihre Anzeigen am eigenen PC gestalten und fertig liefern und dass ich mir nicht vorstellen könne, wie viele Reklamationen kämen. In der Firma „Anzeigensatz" arbeiten ja schon weniger Leute, als früher. Damit ist wohl der Technisierung durch Computer Rechnung getragen worden. Wenn aber so viele Reklamationen kommen, frage ich mich, ob diese Entscheidung wirklich richtig war, oder ob die Ursachen doch noch woanders liegen, zum Beispiel in mangelnder Schulung der Mitarbeiter auf den Programmen, zu viel Arbeit für zu wenig Personal und auch nicht mehr vorhandenen Lektoren: Die Fehler in der ganzen Zeitung wären allein schon Grund für eine Kündigung des Zeitungsabos.
Betriebswirtschaftliche Entscheidungen wie die Auslagerungen von Abteilungen in eigene Gesellschaften ist schon lange betriebswirtschaftliche Praxis, vor allem in großen Unternehmen und Konzernen und die Bekanntmachungen des Handelsregisters sind voll davon. Die Abteilungen einer Firma werden in gewinnbringende und kostenverursachende Töchter unterteilt (Profit- und Cost-Center) und schreiben sich gegenseitig Rechnungen für ihre Leistungen. Irgendwann stellt man dann fest, dass eine Fremdfirma dieselben Leistungen billiger anbietet, natürlich auf Kosten der Beschäftigten. Daraufhin wird die ehemals eigene Abteilung mit den Kollegen aufgelöst oder gekündigt. Oder die Mitarbeiter bekommen einen Änderungsvertrag und dann ist nichts mehr wie es war. Zusätzlich werden die Mitarbeiter über 55 mit den „fetten" Arbeitsverträgen aus den alten Zeiten vorzeitig nach Hause geschickt. Es ist in diesem konkreten Fall ja nicht so, dass es dem Verlag schlecht ginge, nein, man baut in Ravensburg eine neue Verlagszentrale, da wird geklotzt, da hat man Millionen.
Fälle wie Nokia machen uns bewusst, dass Firmen und ihre oberen Entscheidungsträger Gewinne machen, wohin auch immer sie dann fließen (Ausland). Nicht nur wenn Verluste anstehen, sondern auch, um noch mehr Gewinn zu erzielen, werden Menschen entlassen und somit die Allgemeinheit belastet. Das kann es nicht sein und es wird Zeit, dass Firmen, die im Wirtschaftsteil der Zeitung mit einem Rekordgewinn erwähnt werden, nicht eine Seite weiter die Entlassung von tausenden von Mitarbeitern ankündigen!
Traurig ist, dass die moralische, gesellschaftliche, menschliche Verantwortung bei den Entscheidungsträgern immer mindestens ein Quäntchen weniger wiegt als die Zahlen in der Bilanz. Und das eben auch hier in Oberschwaben. Dass es anders geht und es zwischen Rekordgewinn und Existenz gefährdenden Verlusten noch viele Facetten gibt, zeigen Trigema oder hier vor Ort auch Handtmann und andere. Die Welle der Empörung über Ackermänner und Zumwinkels rollt, ändern wird das an der Entscheidung des Schwäbischen Verlages auch nichts, aber hier vor Ort muss der Tadel gesagt werden, sie sollten es wissen und denken Sie selbst darüber nach!
Alles Gute und viel Erfolg den neuen Arbeitslosen bei der Jobsuche!

Antje Beducker, Mittelbiberach