Hans-Bernd Sick JanFeb 2008

Sehr geehrter Herr Dr. Kolb,
schon seit geraumer Zeit ärgere ich mich über meine Tageszeitung, die „Schwäbische Zeitung",

und der Ärger wird immer größer. Mein Eindruck ist, dass der Umfang (vielleicht korrekter: der redaktionelle Teil) der SZ immer weniger wird, man ist immer schneller fertig mit Lesen, und weiß eigentlich hinterher nicht viel mehr. (...) Lokalpolitik gibt es fast gar nicht mehr. Und die größte Frechheit gegenüber uns zahlenden Abonnenten ist dabei, dass uns zur Adventszeit bisher schon zweimal zwei weitere inhaltlich leere Blätter als „Geschenkpapier" vorgesetzt werden, das dann auch noch als Aufmerksamkeit der SZ gegenüber dem Leser bezeichnet wird! Dabei werden in schöner Regelmäßigkeit die Abopreise erhöht mit dem Argument gestiegener Preise (wobei wir in und um Biberach mangels einer Konkurrenzzeitung eh schon einen höheren Abo-Preis bezahlen müssen als anderenorts, wie wir in BLIX nachlesen durften). Wobei die Personalpolitik der Zeitung für christliche (!) Kultur und Politik mit der Entlassung von Redakteuren, der Schließung von Redaktionen und dem immer dürftiger werdenden Inhalt und Umfang eher zu Preisnachlässen führen müsste (...).
Überhaupt nicht nachvollziehbar ist diese Arroganz des Schwäbischen Verlags gegenüber den Bedürfnissen und Erwartungen seiner Leser. Denn im Zeitalter des Internets ist die Zeitung nur eine von vielen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, zwar eine sehr schöne (wenn sie ordentlich gemacht ist), und ich selbst bin bekennender Zeitungsleser, aber das, was mir mittlerweile als Schwäbische Zeitung unter die Augen kommt, ist einfach enttäuschend. Zu wenig, um der SZ nach über 30 Jahren als Abonnent weiterhin die Treue zu halten, zumal auch keinerlei Besserung in Aussicht ist. Laut BLIX halten Sie diese Zeitung als die beste weit und breit und sehr modern - sicher nur, weil es hier keine andere gibt?! Gegen diesen Irrtum möchte ich ein kleines persönliches Zeichen setzen, und habe mich deshalb entschlossen, nach über 30 Jahren mein Abonnement der Schwäbischen Zeitung zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu kündigen. Und da auch Sie als Verantwortlicher davon Kenntnis nehmen können, richte ich dieses Kündigungsschreiben direkt an Sie.
Ich werde mir auch erlauben, diese Kündigung in meinem Bekanntenkreis kund zu tun (in dem übrigens auch ganz schön kräftig über die SZ geschimpft wird; ich fühle mich mit meiner Einschätzung voll im „Mainstream" und überhaupt nicht als „Exot"), und werde auch BLIX eine Kopie zukommen lassen.
Ich würde mich sehr freuen, sollte sich die SZ zum Besseren ändern. Dann können Sie auch wieder mit mir als Abonnenten rechnen.


Ihr sehr enttäuschter Leser
Hans-Bernd Sick, Warthausen