Siegfried Spangenberg November 2007

Blixi bekommt Post von Siegfried Spangenberg, Fraktionssprecher Grüne im Kreistag von Ravensburg, Stadtrat in Wangen und der schreibt an Herrn Dr. Udo Kolb, Verlagsleiter Schwäbischer Verlag GmbH, Leutkirch

Betrifft: Kritik an der Schwäbischen Zeitung

Sehr geehrter Herr Dr. Kolb,

der redaktionelle Niedergang der Schwäbischen Zeitung, die auf kommunaler Ebene in der Region eine Monopolstellung innehat, kann niemandem, dem kommunales Geschehen ein Anliegen ist, gleichgültig sein. Seien Sie versichert, dass ich diesen Brief nicht aus momentaner Verärgerung schreibe – wenngleich ein konkreter Anlass den letzten Anstoß gab – sondern nach reiflicher Überlegung und mehrmaligem Überschlafen.
Letzter konkreter Anlass war die Kreistagssitzung am 11. Oktober. in Aitrach: Kein Berichterstatter anwesend! Keiner sich aus einer Hinterbank bemerkbar machend als Landrat Widmaier auf diesen Missstand hinwies! Dagegen ein Sammelartikel am Samstag von einem nicht bekannten „freien Mitarbeiter??" (...) ohne Kenntnis des Sitzungsverlaufes angefertigt. Ein bedauerlicher Einzelfall? Mitnichten!!!
Sitzung des Schul-und Kulturausschusses am 27. September. in Achberg: Trotz brisanter Themen kein Redaktionsmitglied anwesend. Sitzung des Schul-und Kuturausschusses am 21. Juni in Leutkirch: Berichterstatterin anwesend – doch kein Bericht. Lapidare Mitteilung auf Nachfrage: Berichterstatterin sei krank geworden. Ähnliches nach Kreistagssitzung in Wolfegg: Berichterstatter sei anschließend in Urlaub gefahren. (...)
Dies wird mir so auch aus anderen Ausschusssitzungen und Ratssitzungen anderer Gemeinden im Kreisgebiet mitgeteilt. Dazu kommt, dass die Berichterstattung oft von nicht voll ausgebildeten Redakteuren ausgeübt wird. Nichts gegen Volontäre und freie Mitarbeiter. Doch oft setzt die zu berichtende Materie Sachkenntnis voraus. Wer lernen soll muss angeleitet werden. Daran fehlt es meines Erachtens bei der Schwäbischen Zeitung in hohem Maße. Billige Praktikanten machen die Arbeit qualifizierter Fachkräfte. Dass dabei das redaktionelle Niveau beständig sinkt, scheint die Verlagsleitung und die Besitzer des Verlages nicht zu interessieren. Hauptsache der Reibach stimmt! Deshalb ist mein Brief auch nicht als Angriff auf die vielen Lokalredaktionen anzusehen. Dort, das weiß ich, wird im Rahmen der gegebenen Bedingungen gute Arbeit geleistet. Aber ständige Überforderung durch den Arbeitgeber führt zwangsläufig zu Resignation und Demotivierung. Darunter leidet das Betriebsklima und logischerweise das Produkt.
Da nun die Schwäbische Zeitung eine Monopolstellung in der Region ausübt, wirken sich Defizite der oben dargestellten Art geradezu verheerend aus. Hinzu kommt, dass Entlassungen hoch qualifizierter Kräfte bei deren Beharren auf dem Recht einer eigenständigen Meinung zu einem wiederholten Aderlass geführt hat, der durch das Einstellen von Mitarbeitern mit ungünstigeren Verträgen nie wettgemacht werden kann.
Das alles, sehr geehrter Herr Dr. Kolb, habe ich mir nicht aus den Fingern gesogen. Ich habe in letzter Zeit mit einer Reihe früherer Mitarbeiter Ihres Hauses gesprochen, die altershalber, also ganz regulär ausgeschieden sind. Auch diese sind teilweise entsetzt, was aus ihrer Schwäbischen Zeitung geworden ist. Sie beklagen eine ständig zunehmende Boulevardisierung, (...) (Das) führt genau so zu dem, was ich anfangs behauptet habe: Zum redaktionellen Niedergang der Schwäbischen Zeitung.
Dies wäre zu verschmerzen, wenn auf kommunaler Ebene ein Konkurrenzblatt existierte. Da dies bisher nicht der Fall ist, verarmt unsere Region durch das Versagen Ihres Hauses. Schade!
In der Hoffnung, dass dieser Brief bedacht und ernst genommen werde und gerne auf Antwort wartend, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen aus dem sonnigen Wangen.

Siegfried Spangenberg