Thomas Vogel Juni 2007

Zum Titelthema "Das Monopol schlägt zurück" der Mai-Ausgabe 2007:


Es erfüllt mich mit Genugtuung, dass der Qualitätsverlust der Schwäbischen Zeitung doch nicht

gänzlich unbemerkt geblieben ist und sich – wenigstens vereinzelt – Gegenreaktionen zeigen. Ich war selbst bis 2003 Redakteur einer Lokalausgabe und habe so hautnah mitbekommen, wie Qualitätsstandards immer weiter abgebaut und durch angebliche Innovationen, im Wahrheit: Leserblendungen, ersetzt wurden. Ebenso rasch schmolzen die Stellen in der Redaktion dahin, die Lücken wurden ersetzt durch Praktikanten. Was sie im Blatt nicht füllen konnten, hatten Pressemitteilungen zu füllen oder auch mal aus dem Konkurrenzblatt abgeschriebene Artikel. Eine interne Blattkritik, Bestandteil der täglichen Konferenz einer jeglichen funktionierenden Redaktion, fand nicht mehr statt, weil etwaige Kritik auch nicht mehr interessierte und in Anbetracht der personellen Situation auch gar nichts zu ändern gewesen wäre. Gleichzeitig liefen Mobbing-Aktionen der übelsten Sorte, an denen sich leider auch die Fraktion der Willfährigen unter den Redakteuren beteiligte. Besonders gefährdet waren ältere Kollegen, weil die dem Geschäftsführer als überbezahlt und als nicht anpassungswillig genug galten. Die Betriebskultur glich zuletzt der eines Betriebs, über den die Heuschrecken hergefallen waren. Ziel des Verlags, dem er alles unterordnete, war es, erneut die Traumrenditen der Vergangenheit zu erreichen, was ihm offenbar mittlerweile, nach Abflauen der Zeitungskrise, wieder gelungen ist. Eine Landschaft wie Oberschwaben ist nur zu bedauern, auf ein so abgesunkenes Blatt angewiesen zu sein. Ich wünsche BLIX daher die Kraft, gegen das Imperium zu bestehen, und ich wünsche ihm Anzeigenkunden, die sich dessen Druck nicht beugen.

Thomas Vogel, Senden