Dr. Peter Zwey Mai 2004

Leserbrief zum Artikel von Claus Hoffmann, BLIX 04/04, S. 37


Der liebenswürdige ehemalige Oberbürgermeister von Biberach, Klaus Wilhelm Hoffmann, hat einen rührenden Artikel im letzten BLIX veröffentlicht.

Er wies völlig zutreffend auf die Bedeutung der Kunst für unser privates und öffentliches Leben hin. Er tat das zart und leise, wie ein Kunstfreund, nannte die großen berühmten Vertreter wie die kleineren, stellte sein eigenes Fachurteil unter den Scheffel und pries ganz sacht und indirekt sein eigenes Geheim-Leben mit der Kunst. Möglicherweise ist das heute, da uns enormer Lärm belästigt und die Kulturverwaltungen, die ohnehin knappen Kultur-Etats restlos auffressen, und die Kunst vollkommen ins Hintertreffen gerät, Künstler niedrigste Jobs annehmen müssen, um zu überleben, die einzig richtige Taktik. In aller Stille, wie einst die Mönche, sein Werk, seine Andacht verrichten, sich nicht anstecken lassen von den Schreihälsen und Marketingfuzzis.
Allenfalls leise und charmant lächeln zu allem, wie Klaus Wilhelm Hoffman, unaufdringlich eine bescheidene Meinung anmerkend. Lasst die politischen Schwätzer von heute, die stolzen Arbeitsplatzbesitzer, die fetter gewordene Beamtenschaft und die Bank-Angestellten mit den kahlen Köpfen und dem goldenen Ring im Ohr getrost den großen Reibach machen. Auch das wird vergehen.
Die Kunst wird wachen derweil und überliefern, wie dumm und banal sie sich aufführten und wie rücksichtslos sie den Stadt- und Staatskarren in den Dreck chauffierten, die schamlosen Schlaumeier von heute. Die Kunst wird unsere Enkel wieder mahnen, doch endlich aus der Geschichte zu lernen, die bürokratischen Wasserköpfe nicht zu groß werden zu lassen. Danach wird wieder eine andere, neue Abzockergruppe kommen, die Kunst und die Künstler unterdrücken und eine neue Gestalt, verwandt der Klaus Wilhelm Hoffmanns, wird sie erneut dennoch rühmen und beseligt dazu lächeln.
Das ist sie, die ewige Wiederkehr des Gleichen, von der Nietzsche sprach, während die dumm gebliebenen Teutonen bis heute von rasanten Fortschrittskurven faseln.

Dr. Peter Zwey, Ulm