Veronika Baum Februar 2004

Zu Claus Hoffmanns Essay „Nicht Sahne, sondern Hefe", BLIX, Januar 2004.


Sehr geehrter Herr Hoffmann,
mir, die ich selbst vom „Wirtschaftsfaktor Kultur" in wirtschaftlicher und auch emotionaler Hinsicht abhängig bin, hat Ihr Artikel richtig gut getan.

Er ist geeignet, Argumentationshilfen zu liefern, weil er schlüssig und logisch ist und so pragmatisch wie der Titel. Zur selben Zeit, in der ich diesen Artikel las, haben sich mir auch einige Abhandlungen aufgedrängt, die die Notwendigkeit von Kultur (und damit auch ihren Unterstützungsbedarf) aus einer ganz anderen Warte angegangen sind, nämlich aus der emotionalen, individuellen, menschlichen. Mit vielen unterschiedlichen Beispielen und Gedanken wurde folgendes Fazit unterstrichen: Kunst und Kultur machen glücklich, heilen sogar bisweilen, stiften Gemeinschaften, machen das Leben bunter und schöner, erweitern den geistigen Horizont, wecken Leidenschaften (leider nicht immer in friedlicher Richtung), stillen Sehnsüchte, machen das Leben lebenswert. Leben ist Kultur, Kultur ist Leben.
Und auch der folgende kleine Satz aus einer Abhandlung über die Entstehung von Kunst ist in diesem Zusammenhang bedenkenswert: „Der Mensch kommt mit weniger Instinkten
zur Welt als jedes andere Tier. Das macht uns anpassungsfähig, aber auch verletzlich. Wer in sich keine starke Bestimmung für sein Handeln fühlt, braucht zur
Orientierung Zeichen von außen. Genau solche Symbole, die die Welt ordnen, verschafft uns die Kunst...." Welch ein elementares menschliches Bedürfnis ist doch die Kultur und welch umfassende menschliche Ausdrucksform. Und man kann in Zeiten, in denen solche Werte offensichtlich immer mehr ihre offizielle Bedeutung für das soziale Leben verlieren, nicht oft genug darüber sprechen (beziehungsweise schreiben), wie grundlegend der Wert der Kultur für das Zusammenleben in einer Gesellschaft in Wahrheit ist.
Deswegen danke ich Ihnen, Herr Hoffmann an dieser Stelle für einen wichtigen Beitrag dazu. Und den BLIX-Machern gratuliere ich aus diesem Anlass endlich einmal zu dieser wahren Bereicherung der Medien- und Kulturlandschaft der Region. Und wünsche auf jeden Fall, dass es so weitergehen möge.

Veronika Baum
Kultur- und Veranstaltungsmanagement, Wolfegg